„…stets zur voll_en Zufriedenheit“

Der Bundestagsabgeordnete Thomas Sattelberger (ehemaliger Personalvorstand von Continental und der Telekom) hat mit seiner im März 2021 erhobenen Forderung nach Standardformulierungen im Arbeitszeugnis eine neue Diskussion über Zeugnisformulierungen angestoßen. 

Er moniert, dass Arbeitszeugnisse nahezu wertlos seien, da Arbeitgeber trotz Wahrheitspflicht wohlwollende und dem beruflichen Fortkommen förderliche Zeugnisse ausfertigen müssten und dadurch die erbrachten wahren Leistungen im Arbeitsverhältnis nicht richtig zum Ausdruck kämen.                                                

 

Zur möglichen Problemlösung fordert er den Deutschen Gewerkschaftsbund und die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände auf, eine gemeinsame Empfehlung für Formulierungen im Arbeitszeugnis zu erarbeiten, an denen sich Personalabteilungen, Beschäftigte und (im Konfliktfall) Richter orientieren könnten.

 

Nun streiten sich zwei Lager: die einen befürworten den Vorstoß, indem diese auf Einheitlichkeit, Vergleichbarkeit und Eindeutigkeit bei der Leistungsbeurteilung im Arbeitszeugnis hinweisen, die anderen befürchten u.a. starre Arbeitszeugnisse aufgrund von Standardformulierungen und somit eine weiterhin eingeschränkte Aussagekraft.

 

Aber sind die bisher uneinheitlichen Formulierungen und Codierungen das Hauptproblem im Arbeitszeugnis?  Wohl kaum!                                                                                      Die Unternehmen sind sich ja noch nicht einmal einig in der Anwendung der wichtigsten Bewertung im Arbeitszeugnis - der Bewertung der Gesamtleistung des ausscheidenden Beschäftigten mit der “Zufriedenheits-Formulierung“.

 

Wahrscheinlich die Mehrzahl der Unternehmen in Deutschland verwendet die Formulierung “stets zur vollsten Zufriedenheit“, um ihren ausgeschiedenen Leistungsträgern allerbeste Leistungen zu bescheinigen.

Wiederum andere Unternehmen vermeiden aber diese absolut positive Bewertung aus sprachlichen Gründen (“voller als voll geht nicht!“) und dokumentieren ihre sehr gute Leistungsbewertung mit der Formulierung „stets zur vollen Zufriedenheit“.    

                                                     

Der Zeugnisleser ist hier aufgrund seiner Unkenntnis der sprachlichen Sichtweise des jeweiligen Zeugnisschreibers ratlos und fragt sich, welcher Bewertungsgrad hier wohl abgegeben werden sollte (Note sehr gut oder gut)? Die gleiche Problematik setzt sich dann bei weiteren Abstufungen der „“Zufriedenheits-Formulierung“ fort.

  

Zielführend wäre hier eine einheitliche Skalierung und Anwendung der “Zufriedenheits-Formulierung“ im Arbeitszeugnis, über die o.a. Verbände oder andere Institutionen schnell einen richtungsweisenden Vorschlag unterbreiten könnten.                                                                                                     

 

Mit der Publikation einer diesbezüglichen Entscheidung hätte man dann zukünftig eine eindeutige und zweifelsfreie Gesamtbewertung, die man umfänglich auf die Erfolgs-, Leistungs- und Persönlichkeitsfaktoren des ausgeschiedenen Beschäftigten beziehen kann.   

Damit wäre zumindest den Leistungsträgern auf allen Hierarchieebenen in den Unternehmen gedient.                                                                                                                   

 

#stetszurvoll?enzufriedenheit

 

Jochen Trockle

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