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Familie, Garten, Wandern, Lesen... – Hobbys im Lebenslauf

Wenn man zum Thema “Angabe von Hobbys im Lebenslauf“ in die Bewerbungsliteratur schaut, wird dort sehr unterschiedlich die Frage diskutiert, ob die Angabe von Hobbys im CV grundsätzlich gewünscht bzw. angebracht ist.

 

Obgleich man bei jungen Bewerbern diese Frage mit der Begründung bejaht, dass der Lebenslauf ja nur wenige Informationen beinhalte und man sich über die Hobbys „bereits ein besseres Bild über die Persönlichkeitsstruktur machen könne“, ist die Meinung in Bezug auf bereits berufserfahrene Manager oder Spezialisten nicht einheitlich.

Oft wird argumentiert, dass Manager in höheren Positionen nach ihren beruflichen Erfahrungen und nicht nach ihren Freizeitaktivitäten beurteilt werden.

Ebenso hört man viele Stimmen mit der Aussage, dass die Rubrik “Hobbys im CV“ völlig überbewertet und somit als Information nicht erforderlich sei.

 

Insgesamt gesehen schließen wir uns diesen Aussagen an, geben aber folgendes zu bedenken: Irgendwann kommt sie doch – die Frage nach den Hobbys, spätestens im Vorstellungsgespräch: „ Was machen Sie denn, wenn Sie nicht arbeiten...?“

Insofern schadet es nicht, sich bereits beim Anfertigen einer Bewerbung über diese wahrscheinliche Frage Gedanken zu machen und zu entscheiden, ob man dazu bereits im Lebenslauf mit der schlagwortartigen Nennung seiner Hobbys Stellung nehmen möchte.

 

Vielleicht werden hier bereits viele zu der Erkenntnis kommen, dass sie eigentlich gar keine Hobbys haben, was dann in Vorstellungsgesprächen so zum Ausdruck kommt:

„Wenn ich abends aus dem Büro komme, bleibt gerade mal noch ein wenig Zeit, den Kindern gute Nacht zu sagen und mit der besseren Hälfte den Tag zu besprechen, dann noch ein Blick in die Spätausgabe der Tagesschau und der Tag ist zu Ende. Für Hobbys bleibt da nicht viel Zeit.“

Machen Sie aber nicht den Fehler, Hobbys zu erfinden. Wenn später im Vorstellungsgespräch Ihr Gesprächspartner Sie ein wenig intensiver zu Ihren Hobbys befragt, sollten Sie auch fundiert antworten können.

 

Falls Sie sich dazu entschieden haben, Hobbys / Interessen im Lebenslauf anzugeben, werden Sie bei der Lektüre von Bewerbungs-Ratgebern auf die viel diskutierte Frage stoßen, welche Persönlichkeitsfaktoren oder –ausprägungen aus bestimmten Hobbys oder Interessenschwerpunkten herausgelesen bzw. gedeutet werden.

 

Dazu lesen wir im Originaltext in einem Bewerbungs-Ratgeber:

„...doch was können die genannten Hobbys über einen Bewerber aussagen? Hier ein paar Hintergrundinfos zu den genannten Beispielen:

Kochen – Kochen steht häufig für Kreativität; wenn gemeinsam mit anderen Menschen gekocht wird, kann dieses Hobby darüber hinaus noch für Geselligkeit und soziale Kompetenz stehen.

Joggen - Mit dem Hobby Joggen kann man sein Bewusstsein für die eigene Gesundheit zum Ausdruck bringen, denn letztendlich freut sich kein Arbeitgeber darüber, wenn Mitarbeiter häufig krank sind.

Mannschaftssport – Mannschaftssportarten wie Fußball oder Basketball stehen in der Regel für Teamgeist, verbunden mit Ehrgeiz – darüber hinaus aber auch für soziales Engagement in Vereinen.“

 

Aus unserer Sicht sind das recht fragwürdige Interpretationen. Was ist denn beim Kochen kreativ, wenn Rezepte von Jamie Oliver oder Tim Mälzer nachgekocht werden? Und ist es soziale Kompetenz, wenn die eingeladenen Gäste Salatblätter schneiden und Parmesankäse raspeln?

Zum zweiten Beispiel. Die “richtigen“ Jogger sind nicht gesundheitsbewusst, sie sind vielleicht auch mal krank, da sie bei Wind und Wetter laufen – sie sind i.d.R. leistungsbereit und erfolgsorientiert.

Und zum dritten Punkt – Sind Tennisspieler und Leichtathleten nicht teamfähig, ehrgeizig oder sozial engagiert?

 

Also: Machen Sie sich keine unnötigen Gedanken, welche Rückschlüsse man aus Ihren Hobbys zieht – wichtig für die HR-Manager ist, dass Sie mit Leidenschaft Dinge verfolgen, die Sie faszinieren.

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob man dann nicht besser auch von Interessen statt von Hobbys spricht („...klassische Musik, insbesondere Wagner und aktuelle Wirtschaftspolitik“ – Hobbys oder Interessen?)

 

Weiterhin wird vielfach darüber diskutiert, welche Hobbys / Interessen wohl zu welchen Positionen passen und somit im CV anzugeben sind (z.B. Buchhalter – Briefmarken, Außendienstler – Freunde treffen).

Diese alte Frage möchten wir hier nicht diskutieren – und keine Sorge: Die Personal-Profis tun dies auch nicht.

Warum soll der kontaktstarke und umtriebige Vertriebsleiter nicht leidenschaftlich gerne Schach spielen oder der Finanzchef seine Freizeit mit Paragliding verbringen?

Wird der Vertriebsleiter durch das Schachspiel seine Kontaktstärke verlieren oder der Finanzchef wegen der mit seinem Interesse assoziierten Persönlichkeitsausprägung riskante Finanztransaktionen durchführen? Wohl kaum!

 

Und dann gibt es noch die Hobbys und Interessen, von deren Nennung im Lebenslauf abgeraten wird. Das sind einerseits sehr zeitintensive Hobbys wie z.B. Reiten, Golf, Marathon, ...

Obwohl es trotz Nennung dieser Hobbys wahrscheinlich zu einer Einladung zum Vorstellungsgespräch kommen wird, falls die im CV dargelegten Qualifikationen das Anforderungsprofil erfüllen, sollte man doch überlegen, die Nennung dieser Hobbys doch erst im persönliche Gespräch vorzunehmen, um möglicherweise hervortretende negative Assoziationen über den beruflichen Zeiteinsatz direkt entkräften zu können.

 

Andererseits werden noch Sportarten mit höherem Verletzungsrisiko (Extremsportarten) aufgeführt und mit der damit einhergehenden Sorge der Personalchefs begründet, dass der Kandidat aufgrund von Verletzungen häufig ausfallen könne.

Dieser Ratschlag geht aber nun nicht konform mit vielen visualisierten Leitmotiven in Stellenanzeigen. Hier finden wir die Freeclimber, die Tiefschneeartisten, die Rafting-Teams etc.

Sind es nicht doch die “Positiv-Besessenen“, die “Risiko-Freaks“ und die “Extrem-Teamplayer“, die von den Unternehmen gesucht werden?

Ein Personalchef sagte uns einmal: „Lieber ein kreativer, risikofreudiger Draufgänger, der wegen eines Sportunfalls zwei Wochen ausfällt, als ein immer anwesender 37jähriger angepasster Altersdiabetiker.“

 

Sie sehen, es gibt viele konträre Meinungen zum Thema “Hobbys / Interessen im CV“. In einem Punkt ist man sich aber einig:


Langweilen Sie nicht mit Ihren Hobbys (Familie, Garten, Wandern, Lesen, etc.), sondern nennen Sie nur konkrete und “wirkliche“ Interessenschwerpunkte – oder verzichten Sie auf die Nennung von Hobbys / Interessen.

 

TU / Jochen Trockle